Arbeitsspektrum

Rae Simon Coll
Organisationen sind ein organisches Funktionsganzes, ein ständig sich veränderndes lebendiges Beziehungsnetzwerk. Darin ist jede einzelne Arbeitsposition immer in einem relativem Bezug zu anderen zu sehen. Die Fortentwicklung des einzelnen ebenso wie die der sozialen Korporation als Ganzes vollzieht sich innerhalb einer dynamischen Balance bewegender Neuorientierung.

Dabei ist in der Regel die Handlungsfähigkeit des einzelnen umso größer, je mehr sich der Interdependenz seines beruflichen Handelns durch äußere und innere Grenzen bewusst wird (W. Mittelstaedt).

  •  als Wertschöpfer, der immer in einer relativen Position zum Organisationsauftrag an seinem Arbeitsplatz Leistungsbeiträge für die gesamte Organisation erbringt;
  •  als Individuum, das eigene berufliche und persönliche Wünsche und Ziele verfolgt und verwirklichen möchte;
  •  als soziales Wesen, das seinen Beitrag in der Zusammenarbeit mit anderen leistet und sozial anerkannt und wertgeschätzt werden möchte.

Eine Organisation der Zukunft aufzubauen, verlangt nicht weniger, als wirtschaftliche Gewinnorientierung, Teambildungs- und -erhaltungsprozesse sowie persönliche wie berufliche Präferenzen unter einen Hut zu bringen. Die Kunst eines weitsichtigen Management zeigt sich darin, diese Zielgrößen miteinander auszubalancieren, um die Organisation auf einen ausgewogenen und nachhaltigen Wachstums- und Entwicklungskurs auszurichten.

Rae Simon Coll sieht in der Mehrperspektivität und im bewussten Wahrnehmen relativer Handlungsautonomie wesentliche Ressourcen, die für den Wandel in flexiblen Zeiten überlebenswichtige Lösungspotenziale bereitstellen können.

Temporeiche Zeiten: Betriebsklima als Wertreserve
Rasch sich verändernde Märkte verlangen von Unternehmen immer kurzfristigere Antworten.
In Zeiten beschleunigten Wandels bildet die Fähigkeit einer Organisation, elastische und arbeitsfähige Kompetenznetzwerke herstellen und sichern zu können eine entscheidende Wertreserve. Nicht nur Marktanteile, Finanzkraft, Patente, Sachkapital, Aufbau- und Ablauforganisation entscheiden über den unternehmerischen Erfolg. Immer mehr beruhen Markterfolge und Wachstum eines Unternehmens auf wissensbasierten Kooperationen. Zusätzlich zur wichtigen Fachkompetenz sind vielfach soziale und kommunikative Fähigkeiten der Mitarbeiter in ihrer Zusammenarbeit ausschlaggebend dafür, ob betriebswirtschaftliche Erfolge generiert werden können. Denn letztlich erwächst aus dem tagtäglich kommunikativen Austauschprozess der Mitarbeiter in ihren Arbeitsbeziehungen die Stärke der eigenen Organisation. Rae Simon Coll betrachtet Arbeitsorganisationen als interdependentes Funktionsganzes - Strukturen und Abläufe können daher nur durch und mit den Mitarbeitern in lebendiger Interaktion verändert werden.

Beruf als Zentrales Orientierungs- und Zielsystem
Die Berufs- und Arbeitssphäre stellt das zentrale Orientierungs- und Zielsystem für das persönliche Lebenskonzept bereit. Demzufolge definieren sich viele Menschen über ihre Arbeit und berufliche Entwicklung. Über ihre Arbeit sind sie im Kontakt mit anderen Menschen und erfahren dabei die Kompetenz ihres eigenen Handelns. Die berufliche Arbeit ist ein wichtiger Teil unserer Identität und eine wesentliche Quelle sozialer Wertschätzung.

Changeprozesse
Über die eigene berufliche Aufgabe ordnen sich Menschen in ein System überindividueller sinnstiftender Zielsetzung ihrer Organisation ein. Dieser wichtige Aspekt wird bei Veränderungsprozesse oft übersehen. Changeprozesse sollten Mitarbeitern nicht auf einen betriebswirtschaftlichen Faktor reduzieren. Dies ist ein Grund dafür, warum Restrukturierungen ihre ertragssteigernden Ziele oft nicht erreichen. Wird diese sinnstiftende Orientierung nicht mitbedacht, dann gehen Menschen im Transformationsprozess unterwegs verloren.

Beziehungs- Netzwerke Stärken
Ungewisse Entwicklungen machen es immer schwieriger, Produktinnovation und Markterfolge des Unternehmens langfristig zu sichern. Die Fähigkeit, tragfähige und flexible Beziehungsnetzwerke bilden zu können, wird daher zu einer dringlichen Managementaufgabe nachhaltiger Unternehmensentwicklung. Tatsächlich haben die meisten Menschen Freude am gemeinsamen Planen und Realisieren. Dies ist uns Menschen sozusagen gattungsgeschichtlich in die Wiege gelegt. Wir können dadurch Leistungen vollbringen, die wir als einzelne niemals erbringen könnten.

In Organisationen gilt es, diese produktive Konnektivität aufzubauen. Dafür braucht es kooperationsfreundliche Rahmenbedingungen, wie z.B. eine Lernkultur, die Fehler erlaubt, vor allem aber Offenheit und Vertrauen, damit Mitarbeiter Aufgaben im Team oder der Arbeitsgruppe selbstorganisierend planen und durchführen können.
In tragfähigen Beziehungsnetzwerken steckt viel unentdecktes Wissen und kreatives Lösungspotenzial. Viele Mitarbeiter haben die eigene mitgestaltende Kraft als Quelle beruflicher und persönlicher Zufriedenheit noch nicht erfahren. Diese gilt es wachzurufen und für den geplanten Wandel zu nutzen.